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Gymnasium Altlünen brachte mit großer Spielfreude Eigenproduktion auf die Bühne

Mit einer Eigenproduktion gab am dritten Tag des Jugendtheaterfestivals das Städtische Gymnasium Altlünen seine Visitenkarte im Hilpert-Theater ab. Der Literaturkurs hatte auf Bühnenvorlagen verzichtet und sich für ein selbst geschriebenes modernes Theaterstück entschieden, das auf der Grundlage von Improvisationen aus einer Rahmenhandlung und acht Episodenszenen bestand.

 

Zum Zentrum der Rahmenhandlung wird das Klassenzimmer, wo die Jugendlichen sich mit Stücken wie Woyzeck, Iphigenie auf Tauris oder Romeo und Julia mehr oder weniger unwillig befassen müssen. Doch Inhalt und Aussagen dieser Werke verschaffen nur schwerlich den Zugang, so dass der Wunsch entsteht, die Darstellung der eigenen Lebenssituation vorzuziehen. Was also bewegt die Jugendlichen? Es sind in erster Linie persönliche Probleme, die sich im familiären und schulischen Umfeld zu Konflikten ausweiten und oft ungelöst schwelen. Und es ist der Wunsch nach einer festen Begleitung. Der Titel des Stücks „Kommse mit Mäckes?“ steht insofern nicht nur für den gemeinsamen Weg zum Haus mit dem gelben M.

Die Premierenaufführung begann recht eindrucksvoll mit dem Thema Homosexualität, bei dem das „Coming out“ zweier junger Männer im Kontext von Familie, Kirche und Jugendclique recht sensibel ausgespielt wurde. Das Recht auf Spaß und der Genuss des Konsumierens mit Blick auf eine ungewisse Zukunft wurde von herum hängenden Jugendlichen, denen das Attribut „Generation blöd“ beigefügt ist, stilisiert. Dass Einsamkeit durch Facebook-Aktivitäten beendet werden kann und neue Formen des Kennenlernens entstehen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Man hüte sich nur vor Enttäuschungen, wenn das eigene Profil überschätzt wird oder die Erwartungen an den auf digitalem Weg gefundenen Partner zu hoch sind.

Publikum war begeistert

Überdies sind Hacker am Werk, um Werbung für bestimmte Produkte zu lancieren, die zum Kaufrausch führen, so dass für viele Jugendliche lediglich der Konsum zur Gewissheit der eigenen Existenz wird. Zudem sind es die Eltern in ihrer Ahnungslosigkeit und mit ihrer antiquierten Ordnungsliebe, die das Leben mit unerträglich erscheinen lassen.

Diese zahlreichen und vielfältigen Aspekte wurden vom 29-köpfigen Literaturkurs in 90 Minuten mit Spielfreude und zahlreichen Requisiten auf die Bühne gebracht. Das war wichtig und richtig und verschaffte den engagiert spielenden Akteuren ein Ventil für den Wunsch nach Aufmerksamkeit.

Das Publikum reagierte begeistert, wenngleich auch etliche Textpassagen leider durch gibbelnde Zuschauer überdeckt wurden oder durch leises Sprechen auf der Bühne die Zuschauer nicht erreichten. Wünschenswert wäre noch eine thematische Vertiefung der Dialoge gewesen und ein Aufzeigen auf mögliche Konsequenzen, insbesondere im Generationenverhältnis. Auch von den Stilmitteln des Theaters sollte künftig mehr und unverzagt Gebrauch gemacht werden.

Quelle: Ruhrnachrichten

 

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